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„Wie kommen Sie denn darauf, einen Preis für Zivilcourage-Preis auszuloben" wurde ich
oft gefragt. So einen Entschluss kann man zumeist nicht an einem Punkt festmachen, er
ist gewachsen aus meinem starken Gerechtigkeitsgefühl und meinen
Lebenserfahrungen. Heute bin ich mehr denn je überzeugt, die richtige Zielsetzung gewählt
zu haben. Mut, Bürgermut, Einsatz für die Mitwelt, das ist es besonders, was uns allen fehlt,
etwas, das unserer aller Leben hin zum Besseren verändern kann.
Die Kandidaten-Suche gestaltet sich nicht einfach, sie war sogar manchmal
abenteuerlich, denn wie lernt man potentielle Preisträger kennen, ohne sich gleich zu
verraten? Es sollen Menschen sein mit einem guten Überblick, einer klaren
Entscheidungsfähigkeit und dann, mit dem Mut sich zu exponieren: Da, wo alle ein „Ja"
erwarten, „nein" zu sagen, wohl wissend, dass solch ein Einsatz auf großen persönlichen
Widerstand stoßen kann. Menschen, so sicher in der Einschätzung ihres Zieles, dass sie dafür
große persönliche Nachteile in Kauf nehmen, von Berufsverlust bis zum Gefängnis. Alle 10
Preisträger vorher haben das in vorbildlicher Weise auf ganz verschiedenen Lebensgebieten
bewiesen. Ich bin sehr stolz auf sie alle. Und sie machen weiter; ihr Gerechtigkeitsgefühl und
ihren Einsatzmut behalten sie lebenslang. Gäbe es einen besseren Sinn für die Stifterin, als
ihr verdientes Geld in eine solche Investition zu stecken, - und dazu noch so ungewöhnliche
Menschen kennen lernen zu dürfen?
5000,- DM war das Preisgeld 1995, heute, nach Gründung der Stiftung im Jahr 2000,
sind es 5000,- Euro geworden. | Gut angelegtes Geld, da bin ich sicher. Begonnen hat
alles in unserem Wohnzimmer, das Spruchband an der Wand, selbstgefertigt, hing über
dem Fenstersturz, etwa 20 Gäste fanden Platz. Ich wollte auf keinen Fall diese
Preisverleihung öffentlich machen. Erfahrene und engagierte Mitmenschen haben mich
dann überzeugt dass die Stiftung und v.a. die Preisträgerlnnen in die Öffentlichkeit
gehörten. So ist aus einem zaghaften Anfang, zunächst ohne Weiterplanung, eine richtige
kleine Institution geworden, ein hehrer Kreis von Menschen, die viel bewegen.
Dabei konnte ich meinem Wunsch, das Ganze menschlich persönlich zu halten, bis jetzt
treu bleiben. Trotz Hilfe des Stiftungsrates und mit meinem Mann im Hintergrund (nochmals
danke!) ist so ein Vorhaben mit der gesamten Bürokratie drum herum eine sehr große
Herausforderung. Solange es eben geht, soll dieser offene, persönliche Stil erhalten
bleiben: ohne glatte Formulierungen, ohne platte Wahrheiten. Heute weiß ich, dass ich
statt mit einer Stiftung aus dem Hintergrund zu feuern, bei besseren gesundheitlichen
Voraussetzungen selbst auf die Barrikaden gegangen wäre.
Zum diesjährigen Jubiläum habe ich mir einen Zivilcouragierten gewünscht, der meinen
20 jährigen Einsatz gegen die Gentechnologie mitträgt. Gefunden und gewonnen habe ich
einen weltbekannten Aktivisten aus Frankreich, José Bové, der über einen langen Kampf für
gesunde Lebensmittel auch zur Agro-Gentechnik kam. Zum ersten Mal einen Preisträger
aus dem Ausland, den ich dazu noch nicht persönlich kennenlernen konnte; - einen
Kandidaten, den ich aber über Presse und Literatur ziemlich genau in seiner Zielsetzung
zu kennen glaube.
Bienvenu - Herzlich willkommen!
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